Fragen + Antworten

Wie wichtig ist das Steinfurter Krankenhaus für die Not- und Unfallversorgung im Kreis Steinfurt?

Dazu hat Andreas Neumann aus unserer Bürgerinitiative als Mitglied des Kreistages mehrere Fragen an die Kreisverwaltung gerichtet. Die Antworten von Kreisdirektor Dr. Sommer, finden Sie hier:
(und als pdf-Datei HIER):

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Rettungsdienstliche Einsatzzahlen/-daten im Zusammenhang mit dem Marienhospital Borghorst als Zielkrankenhaus

 Sehr geehrter Herr Neumann,

auf Ihre Anfrage vom 08.02.2016 antworte ich wie folgt:

  1. Wieviele Einsätze in 2015 mit einer Übergabean Patienten in Steinfurt hat es gegeben ?

Das Marienhospital Steinfurt-Borghorst wurde durch den Rettungsdienst Kreis Steinfurt im Jahr 2015 in insgesamt 4568 Fällen als primäres Zielkrankenhaus angefahren.

  1. Sind die Zahlen gestiegen seit dem Wegfall des Standortes Emsdetten?

Seit Schließung des Krankenhauses in Emsdetten hat sich die rettungsdienstliche Zuweisung an das Marienhospital Steinfurt-Borghorst um 22,5 % erhöht.

  1. Wie oft haben sich die Krankenhäuser in Rheine, Greven, Ibbenbüren und Steinfurt (wegen Überlastung) vom Notdienst abgemeldet?

Um diese Frage ausreichend beantworten zu können, gilt es zuerst, den Begriff „vom Notdienst abmelden“ zu definieren.

Das KHGG NRW sieht in § 10 (1) die Verpflichtung von Akutkrankenhäusern vor, den Leitstellen für den Rettungsdienst einen „Zentralen Bettennachweis“ zur Verfügung zu stellen . In der Regel erfolgt dies auf der Basis eines sogenannten „Negativnachweises (= Meldung bei Kapazitätserschöpfung)“.

Unabhängig von einer Erschöpfung der Aufnahmekapazitäten muss ein Akutkrankenhaus aber „alle, die seine Leistungen benötigen, nach Art und Schwere der Erkrankungen versorgen. Notfallpatientinnen und patienten haben Vorrang„ .“ (§2 (1) KHGG NRW).

In Beantwortung der Frage wird somit beispielhaft auf die für den Rettungsdienst wesentlichen „Krankenhauskapazitäten zur (beatmungs)intensivmedizinischen Überwachung und Therapie“ abgestellt.

Im Zeitraum 01.10. 2015 bis 09.02.2016 liegen dem Rettungsdienst im Kreis Steinfurt nachstehende (tageweise) Kapazitätsauslastungsanzeigen „lntensivmedizin“ für die in der Frage benannten Krankenhäuser vor:

  • Mathias-Spital Rheine:
  • Marienhospital Münsterland KH Steinfurt:
  • Maria-Josef-Hospital Greven:
  • Klinikum Ibbenbüren:

48 Auslastungsanzeigen

10 Auslastungsanzeigen

43 Auslastungsanzeigen

88 Auslastungsanzeigen

  1. Haben sich die Abmeldungen vom Notdienst in den umliegenden Krankenhäusern erhöht seit der Schließung in Emsdetten?

Da die Auslastungsanzeigen der Krankenhäuser im Kreis Steinfurt erst seit dem 01.10 .2015 in elektronischer Form (IG NRW) erfasst werden können, kann diese Frage in Ermangelung validen Zahlenmaterials aus der Zeit vor Schließung des Krankenhauses in Emsdetten nicht beantwortet werden.

Im Jahr 2015 wurden bis zur Schließung des Krankenhauses am 26.06.2015 insgesamt 1122 rettungsdienstliche Patienten nach Emsdetten verbracht.

Insofern ist davon auszugehen, dass nach Schließung des Hauses bis zum Jahresende Patientenzahlen in gleicher Höhe auf andere umliegende Häuser verteilt werden mussten, was mit hoher Wahrscheinlichkeit zu dem mit der Frage beschriebenen Ergebnis geführt haben wird.

  1. 5. Wie lang sind die Einsatzzeiten? (Umlaufzeiten )

Fahrten aus dem Rettungsdienstbereich Steinfurt mit Zielort „Marienhospital Steinfurt­ Borghorst“ wiesen im Jahresschnitt Umlaufzeiten (Alarmierung bis Rückkehr an den Standort) des Rettungsmittels von 54 Minuten / Einsatz auf.

  1. Kann man abschätzen       wie    lange     die     o.g.     Zeiten             wären   bei                   Wegfall            des Krankenhausstandortes Steinfurt?

Wenn das Marienhospital Steinfurt-Borghorst rettungsdienstlich nicht angefahren werden kann, müssen häufig Krankenhäuser in der Stadt Münster -sofern kapazitätsverfügbar­ genutzt werden . Hieraus resultieren dann im Jahresschnitt Umlaufzeiten (und damit Abwesenheitszeiten) des Rettungsmittels von 2 Stunden 4 Minuten / Einsatz.

  1. Kann man sagen wie viele Minuten es im Durchschnitt dauert bis ein Patient in einem Krankenhaus ankommt mit dem Rettungsdienst?

Der Rettungsdienst im Kreis Steinfurt hat regelmäßige Patientenschnittstellen zu insgesamt 18 Akutkrankenhäusern (Kreisgebiet I angrenzende Kreise lStadt Münster I Niedersachsen/ Niederlande). Die Fahrtzeiten zu den jeweiligen Krankenhäusern, die noch dazu in unterschiedlicher Frequenz angefahren werden, weisen multifaktoriell bedingt eine große Bandbreite auf.

Um die Frage so prägnant wie möglich beantworten zu können und eine Vergleichbarkeit zu ermöglichen, werden die Auswertekriterien wie unter Frage 5 / 6 beschrieben angewandt.

Fahrten aus dem Stadtbereich Steinfurt mit Zielort „Marienhospital Steinfurt-Borghorst“ wiesen im Jahresschnitt Fahrzeiten (Patientenaufnahme im Rettungsmittel bis Ankunft im Krankenhaus) des Rettungsmittels von 07 Minuten, 59 sec / Einsatz auf.

  1. Kann man abschätzen wie lange es dauern würde wenn der Standort Steinfurt nicht mehr da wäre?

Fahrten aus dem Stadtbereich Steinfurt mit Zielort „Krankenhäuser Stadt Münster“ wiesen im Jahresschnitt Fahrzeiten (Patientenaufnahme im Rettungsmittel bis Ankunft im Krankenhaus) des Rettungsmittels von 25 Minuten, 36 sec I Einsatz auf.

Freundliche Grüße

Dr. Martin Sommer

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Allgemein gibt es zur Situation des Krankenhauses viele Fragen und wenige verläßliche Antworten in der Öffentlichkeit. Zu vielen Problemen haben wir in der Bürgerinitiative auch keine belegbaren Informationen. Andererseits haben wir uns in den letzten Wochen viele Fakten erarbeitet, andere haben wir aus zuverlässigen Quellen gehört. Wir glauben daher, dass unsere Antworten besser sind als die Gerüchte, die umherschwirren. Obwohl wir sie oft nicht mit Quellenangaben versehen können.

Weitere Fragen und Antworten:

Frage: Wie ist die aktuelle Situation Anfang Februar, die Uni-Klinik steigt doch ein. Sollen wir weiter für den Erhalt des Krankenhauses spenden?
Antwort: Die Spenden sind weiter notwendig, bis der Kreistag, eventuell noch im Februar, tagt. Der Kreistag muss nochmals über die 2,5 Millionen Euro beschliessen, über die er Ende letzten Novembers schon einmal abgestimmt hat. Dieser Beschluss war aber juristisch nicht eindeutig. Im Kreis Steinfurt und im Kreistag wird weiter über diese Summe debattiert. Deshalb müssen wir aus dem Raum Steinfurt immer noch zeigen, auch finanziell, dass wir unser Krankenhaus wollen. Einige weitere Argumente finden Sie hier.

Frage: In der Öffentlichkeit werden immer wieder andere Millionenbeträge zur Situation des Krankenhauses genannt. Welche stimmen eigentlich? Und wer soll das bezahlen?
Antwort (Stand Ende Januar 2016): Die Universitätsklinik Münster hat die Krankenhäuser in Steinfurt (und Emsdetten) gründlich analysiert. Sie hat ein Konzept vorgelegt, wie das Steinfurter Krankenhaus weitergeführt werden kann. Sie geht davon aus, dass das Haus ab 2017 verlustfrei betrieben werden kann. Zu dem Konzept, soweit man hört, gehört eine enge Zusammenarbeit mit der Uniklinik, Austausch und Zusammenarbeit im Bereich der Ärzte und Einführung verbesserter Prozesse. In Emsdetten soll eine große psychosomatische Station eingerichtet werden, die auch für die finanzielle Gesundung des ganzen Krankenhauses wichtig ist.

Allerdings gibt es aus der Vergangenheit finanzielle Belastungen, die die Uniklinik verständlicherweise nicht übernehmen kann. Sie haben drei Teile. Durch die Umstrukturierung und den neuen Geschäftsbesorger entstehen finanzielle Probleme im Personalbereich von etwa 2 Millionen Euro. Diese übernimmt das Bistum Münster. Im laufenden Betrieb wird bis Ende 2016 noch ein Defizit von etwa 2,5 Millionen Euro erwartet. Hier scheint der Kreis Steinfurt bereit zu sein, dies zu übernehmen. Und schließlich ist in den letzten Jahren im Bereich der Patientenunterbringung wenig investiert worden. Damit dies auf den heutigen Standard gebracht wird, müssen etwa 14 Millionen Euro investiert werden. Der Neubau eines Bettentraktes ist da die sinnvollste Lösung. Für diese Investition ist wohl das Land der richtige Ansprechpartner. Das Land hat eine Regelung für solche Finanzierungen. Werden diese ausgeschöpft, kann mehr als die Hälfte der 14 Mio. damit bestritten werden. Wie man hört, hat man in den letzten Woche Quellen gefunden, um vom Rest nochmals gut die Hälfte zu finanzieren. Ganz grob geschätzt bleibt noch eine Lücke von etwa 3 Mio. Euro. Wenn hier die Spendenaktion die Stadt Steinfurt einen Beitrag leisten, würde dies sicher andere Geldgeber ermutigen, auch noch etwas dazu zu tun.

Frage: Wer ist eigentlich Schuld an der Misere?
Antwort: Diese Frage hat uns am Anfang auch sehr interessiert. Ist es das Bistum, wo doch alles „der Kirche gehört“? Oder das Land / der Bund, die die Krankenhäuser schlecht finanzieren? Das Management mit Fehlentscheidungen? Der Kreis Steinfurt, der sich zuwenig gekümmert hat? Wenn es überhaupt eine Antwort darauf gibt, dann keine einfache.

  1. Von vielen Verantwortlichen im Krankenhausbereich hört man, dass für Investitionen im Krankenhaus das Land zuständig ist. Seit Jahrzehnten erhalten die Krankenhäuser bundesweit nicht das, was anerkannterweise für Investitionen notwendig ist.
  2. Bis in die Mitte der 1990-er Jahre gab es in Steinfurt drei Krankenhäuser, zwei katholische und ein evangelisches. Um die Finanzierung zu sichern, hat, wie man hört, das Land für die weitere Finanzierung von Investitionen eine enge Zusammenarbeit der drei Häuser gefordert. Die drei kirchlichen Träger weigerten sich aber, zusammen zu arbeiten und verzichteten lieber auf das Geld. Erst als die Häuser in Burgsteinfurt pleite waren und Borghorst übrig blieb, erhielt das Marienhospital wieder Geld.
  3. Das Krankenhaus und die Vorgängereinrichtungen gehörten nicht dem „Bistum Münster“. Sie bildeten eine GmbH, deren Träger waren die Pfarrgemeinden. Auch die Häuser, die am Steinfurter Krankenhaus interessiert waren, Mathias-Stiftung in Rheine und Franziskus-Krankenhaus in Münster, sind zwar katholisch, aber rechtlich selbstständige Einheiten. Insofern ist das Bistum rein rechtlich nicht Eigentümer. Und die katholischen Organisationen, die am Krankenhaus Steinfurt interessiert waren, handeln anscheinend ausschließlich im eigenen wirtschaftlichen Interesse. Wie jede Privatfirma. Soziale oder christliche Gesichtspunkte scheinen dabei keine Rolle zu spielen. Insofern muss man dem Bistum Münster hoch anrechnen, dass es in der Vergangenheit und aktuell Millionenbeträge für Personalgehälter, Weihnachtsgeld und ähnliches zur Verfügung gestellt hat, ohne eine rechtliche Verpflichtung.
  4. In der Vergangenheit wollten sich der Stadt Steinfurt und dem Kreis mehrmals über die schlechte wirtschaftliche Lage der CKT-Krankenhäuser informieren. Man hört, dass sich die Krankenhausleitung schlicht geweigert hat. Die Krankenhäuser als GmbH sind offensichtlich nicht verpflichtet gewesen, Kreis oder Stadt bei Problemen zu informieren. Und haben das dann auch nicht getan. Man kann Lokalpolitiker verstehen, die sauer sind, dass jetzt die öffentliche Hand wieder einspringen muss, wenn ein privates Unternehmen insolvent ist.
  5. Das „unfähige Management“ wird oft als Schuldiger genannt. Der Bau einer Großküche in Reckenfeld, die nie profitabel betrieben wurde als ein Beispiel. Hier kennen wir als Bürgerinitiative tatsächlich keine Fakten. Und es fehlt uns auch das Fachwissen in Betriebswirtschaft, um ein Urteil abzugeben.

Frage: Wäre es nicht wirtschaftlicher, das Krankenhaus in Emsdetten weiterzuführen? Die haben doch ein neues, modernes Bettenhaus?
Antwort: Die Uniklinik hat ja eine umfangreiche Analyse durchgeführt. Wie man hört, kam dabei Folgendes heraus: In Emsdetten ist vor einigen Jahren ein Teil der Patientenzimmer renoviert worden. Diese haben einen guten Standard. Das trifft aber nicht auf alle Patientenzimmer in Emsdetten zu. In Steinfurt müssen alle Patientenzimmer erneuert werden. Aber die medizinische Ausstattung an Operationssälen und Geräten ist in Steinfurt viel besser, umfangreicher und moderner als in Emsdetten. Daher kann Steinfurt viel kostengünstiger weiterentwickelt werden als Emsdetten.